Vom Suchen, Finden und wieder verlieren und dem Zuhause im Inneren

Viele fragen sich wohl, wie es mit diesem "Projekt" nun weitergehen wird und wie sich so mancher vielleicht vorstellen kann, weiß ich das zum jetzigen Zeitpunkt selbst nicht. Es gibt so einiges, was ich einfach "laufen" lasse, aus der Distanz beobachte, ohne aktive Beteiligung. Vieles, was ich einfach auch erst verarbeiten muss und etwas, dass mich dahingehend beeinflußt hat, zu sagen: Es gibt Geschichten, die man wohl erst einmal nicht erzählen kann. Einfach, weil man nicht weiss, wie man sie zuordnen oder mit ihnen umgehen soll.

 

Mit einer Mutter, die nach der Entlassung ihrer Tochter aus dem Gefängnis auf ein Lebenszeichen von ihrem Kind wartet zum Beispiel. Mit der ich stundenlange Telefonate geführt hab, während das Mädchen fast ein Jahr lang im Knast sass. Wir uns darüber unterhielten, wie es wohl weitergehen würde, wenn sie erstmal "raus" sei und einen Vater, der ganz klar sagt: "Ich halte das nicht mehr aus". Früher hätte ich mich ins Auto gesetzt, sie gesucht und mit ihr geredet.

 

Diesmal aber schien das plötzlich keinen Sinn mehr zu machen: Meine Arbeit nicht und diese Seite nicht. Ich stellte plötzlich alles in Frage und drehte mich im Kreis.

 

Denn dieses eine Mal war es so, dass parallel dazu auch noch jemand anderer kein Lebenszeichen von sich gab und mir allmählich aufging, wie mühsam es ist, ständig nach verschollenen und untergetauchten Personen zu suchen und ihnen hinter her zu laufen. Wie mühsam es ist und kräfteraubend, sich ständig Sorgen zu machen ob die betreffende Person noch lebt oder nicht. Ich hatte das zu oft mitgemacht in den vergangenen Jahren und so ging mir allmählich auf,das ich keine Puste mehr hatte. Müde war, zu finden und ständig wieder zu verlieren: Den Kontakt, die Nähe. Es ein ständiges Aufbauen und Zusammenreissen ist. Ein Anfangen und Aufhören, ein Hin und Her, Vor und Zurück.

 

Letztens habe ich mich mit jemandem über das Thema Wohnungslosigkeit unterhalten. Die Person meinte: "Ja, aber in Deutschland müsse doch niemand auf der Straße leben." Ich erwiderte, dass es ja auch nicht ausschliesslich um ein Dach über dem Kopf geht, um Geld und Essen oder die typischen Klischees, die der Ottonormalverbraucher so im Kopf hat. Es geht vielmehr um ein Zuhause im Inneren, das sich aber leider nicht so easy über das Amt vermitteln lässt...

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lämmi (Dienstag, 29 April 2014 13:32)

    Liebe Sylvie,

    Du kannst so wunderbar beschreiben und auch sehr eindringlich widergeben.
    Dies sollte doch so einigen Menschen zu denken geben.

    Ich freue mich, immer mal wieder zu lesen...was es Neues gibt und ich hoffe, das Du jemals etwas zurückbekommst...von dem was Du gibst und gegeben hast.

    Herzlichste Grüsse von Lämmi